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Thema: Meine ersten Schritte...

Hybrid-Darstellung

  1. #1
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    Standard Meine ersten Schritte...

    Hallo,
    ich will heute erzählen, wie es damals aussah, als ich meine ersten Schritte in die Spielfreiheit machte - welche Überlegungen und Tricks ich anwendete um meine Sucht zu überlisten.
    Rein vom praktischen her, war es so, das ich finanzielle Mittel nur in äußerst geringen Umfang mit mir führte. Nur das allein macht nicht trocken . Und das wollte ich auf jeden Fall werden - zuviel stand auf den Spiel - auch meine Beziehung.
    Ein wesentlicher Schritt für mich war das negativieren aller Dinge, die mit Glücksspielsucht zu tun hatte. Das gepflegte Ambiente in der Halle war dazu da, mich länger in der Halle zu halten - mehr Geld von mir zu ziehen. Die Freundlichkeit der Aufsicht zwangsmäßig, weil es ihr Job war - der scheinbar kostenlose Kaffee gehörte dazu - mehr Geld von mir zu ziehen. Die neuen seinerzeit so tollen Spielgeräte - geschaffen uns immer tiefer in den Taschen zu gehen. Der dicke Mercedes, den der Hallenbesitzer fuhr - und den ich hätte fahren können, wenn ich nicht bei ihm gezockt hätte - ich hatte ihn mitfinanziert - ja auch sein tolles Haus - und ich finanzierte die Hungerlöhne der Aufsicht mit - die für ein Appel und ein Ei ihren langen Dienst versehen.
    Ach - der war ja so nett - der Chef von der Bude - hier und da bestückte er sogar den Automat an den ich gerade stand. Positiv ? Oder nicht letztens ein Trick von ihn mich an einen Automaten zu halten der ohnehin nichts bringen konnte? Und wie soll er ein guter Mensch sein - einer der sein Personal beinahe ausnutzte ? Was war ich ihn dann als Spieler wert ????
    Außer mein Geld ...NICHTS.
    In meiner noch aktiven Spielzeit erlebte ich häufiger das Spieler aufhören wollten - und nur noch auf ein Kaffe kamen - den sie auch freundlich serviert bekamen - und wie der Betreiber damals oft treffend zu mir sagte - in ein paar Tagen oder Wochen sitzen sie wieder neben dir - denen gefällt es hier - sonst kämen sie nicht - zuviel verzockt - sobald sie wieder Geld haben geht es weiter. Oh, wie er die Spieler kannte...er hatte da sehr oft recht.
    Ein Grund für mich nie mehr eine Halle aufzusuchen - auch nicht auf einen Kaffee. Und ich fing an zu rechnen - damals noch in DM - ich will es hier aber in € machen. Ich hatte nie weniger als drei Automaten gespielt.
    alle 12 Sek. 20 Cent - macht in der Minute 1 € - bei drei Automaten 3 € in der Stunde 3 mal 60 = 180 €. Wenn die Automaten im Soll geworfen hätten - im Schnitt sollten es ja 60 % sein, hätte ich 108 € zurück bekommen - also "nur" einen Verlust von 72 € pro Stunde - aber halt - ein Harz 4 Empfänger muß davon 7 Tage leben - und ich ?
    Ich mußte für die 72 € Netto mächtig was tun - selbst bei einen Stundenlohn von 15 € - mit der hohen Steuerklasse - mehr als ein ganzen Arbeitstag, den ich in einer Stunde verdudelte - aber ich blieb ja länger meißt 5 -6 Stunden in der Halle. Das heißt also -trotz guten Verdienstes - hätte ich nach drei Tagen Zocken meinen Monatsverdienst im Bach geschmießen - und hab es noch nichtmals platschen gehört.Und was erzählte mir kürzlich jemand - heute kann man mit 20fachen Einsatz spielen ? Oh Gott.
    All diese Überlegungen halfen mir den Hebel umzulegen - und wenn der Druck kam ,erzählte ich mir das alles - und hörte meine Musik - und trotzdem war es schwer genug.
    Das ist mein Selbstschutz - und vielleicht kann der Eine oder Andere nachvollziehen, das ich bei der Glorifizierung von Glücksspielen - gleich welcher Art - nicht normal reagieren kann - und auch nicht will.
    Ja - ich hatte es schwer trocken zu werden - und schwer auch zu bleiben.
    Vermutlich wie jeder andere auch, der seinen Weg gefunden hat - die Sucht bleibt - wir können sie letztlich beherrschen - aber in den Winkeln unseres Gehirns lauert sie und wartet auf eine Schwäche um uns neu im Besitz zu nehmen. Das lassen wir nicht zu - oder ?
    Ich habe das mal erzählt weil viele erzählen das sie abstinent sind, selten wird berichtet, wie man sich selbst "präpariert" um zu wiederstehen.
    Ich habe es heute versucht..und könnte noch so manches hinzufügen. Aber ich denke, für heute reichst.
    Wünsche ALLEN ihre Motivation, die Spielsucht in den Griff zu bekommen - und zu halten. Und unsere hier im Forum stark geprüften Angehörigen, das auch ihre Partner endlich erkennen...
    Lieben Gruss
    Gerri

  2. #2
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    Standard AW: Meine ersten Schritte...

    Hallo Gerri,
    Ist ja schön wie Du Deine Spielpraxis mit drei Automaten beschreibst und noch wichtiger nach dem Aufhören,wie man den Umgang mit dem Suchtmittel Geld wieder erlernen kann.
    Wenn ich mir mal vorstelle wieviel arme Menschen ich mit den 300-500 E pro Abend , die ich sinnlos verzockt habe ,hätte unterstützen können,schäme ich mich noch heute, auch wenn es mein Geld war.
    Was hätte ich alles für Menschen ,denen es exentiell ganz schlecht geht ,die einfach an Krankheiten sterben, weil sie einfach kein sauberes Trnkwasser zur Verfügung haben, mit diesen Beträgen helfen können.
    Oder vielleicht einem krebskranken Freund einfach mal das Geld für gesunderes Essen zu geben, was er dringend für sein Überleben braucht, und sich nicht leisten kann, weil der Mehrbedarf vom Sozialamt einfach nicht mehr bezahltwird, es hätten schon 15-20 E/Woche gereicht!
    Das versuche ich mir jetzt abzuknapsen, um wenigstens praktisch etwas zu tun, um einem wertvollen Menschen,vielleicht sein Leben zu verlängern, weil es der Staat schon laänger nicht mehr tut und es nur duch lange Sozialgerichtsverfahren vieleicht zu erreichen ist, wofür wieder Geld fehlt.
    Da habe ich das Gefühl, mich wieder zu einem mitfühlenden Menschen zu entwickeln, für Nichtsüchtige ist das sicher normal, weil sie erfahren haben ,daß sie nicht allein in diesem "Wohlfahrtsstaat" leben, der es sich kaum mehr leistet die Schwachen dieser Gesellschaft zu fördern: Alte, Kranke, Arbeitslose.
    usw. Haste nix, biste nix, wer einmal von der letzten Stufe gefallen ist juckt doch keinen fetten Sachbearbeiter mit Arbeitspaltzgarantie und dicker Pension,
    da kann der auf der anderen Seite ruhig auf der Straße krepieren.
    Klangt jetzt dramatisch, die Entwicklung in der Gesundheitsvorsorge, geht halt zuGunsten der Konzerne und nicht der Menschen.
    Wollte nur sagen es ist unsolidarisch und narzistisch, egomanisch,dauernd gierig nach ein paar Euro vor diesen stumpfsinnigen Kisten zu stehen oder ständig nach anderen Gewinnmöglichkeiten zu geiern,einfach unmoralisch und unsozial, besonders wenn man noch das HAushaltsgeld,das für Anschaffungen oder womöglich noch lebensunterhalt gedacht war zu verbraten,
    Deswegen kann ein süchtiger Glücksspieler nur eins werden
    ein asozialer
    einsamer Wolf, der sich am Schluß in den eigenen Schwanz beißt, weil er nicht anderes mehr zu beißen hat und sein Rudel sich lange von ihm getrennt hat.
    Das war jetzt ein kleiner Rundumschlag, aber ich hab es heute mit meinem kranken Freund sehr stark so empfunden und hoffe es gibt noch mehr ,die so denken und auch handeln werden.
    Grüße auch an Monika und Nicole
    von Chris

  3. #3
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    Standard AW: Meine ersten Schritte...

    Hallo Gerri,
    wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Pokern und Automatenspiel Beschreibung? Wenn das so detailliert beschrieben wird!
    Mich stört das sehr, deine Beschreibung des spielens auch im Hinblick auf Menschen die hier Hilfe suchen.
    Musste das denn wieder sein, wozu?


    Zu deiner Frage ob man dem spielen wiederstehen kann, sage ich ganz klar:
    "JA NICHT-SPIELEN IST MÖGLICH"
    Allerdings muß man da auch gewisse Regeln einhalten ZB. weder mit Menschen spielen (zweideutig und Grob) noch mit Worten spielen.
    Und sich mit Menschen umgeben di das gleiche Ziel haben, eine zufriedene und dauerhafte Abstinenz
    Das ist meine Erfahrung
    Lieben Gruss
    Claus

  4. #4
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    Standard AW: Meine ersten Schritte...

    Claus,
    ich kann tausend Dinge nennen. die diesen Eintrag von den dir genannten unterscheiden.
    So eine Verdrehungstheorie wie hier - erlaube es mir zu sagen -
    ist auch von dir nur schwer zu ertragen.
    Rückst du dir immer alles so zurecht, wie es dir im Kram passt ?
    Oder hast du nur das sehen wollen, was du sehen möchtest ?
    Jeder der beide Einträge vergleicht ,wird unschwer erkennen, wo der Unterschied liegt.
    Kann sich jeder sein Bild machen - vielleicht ist meines ja verzehrt - deines allerdings mit Sicherheit auch.
    Vermutlich hat das ja bei uns mit Voreingenommenheit zu tun - oder daran, das wir lange nicht gestritten haben - denn du streitest ja gern.
    Rudi

  5. #5
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    Standard AW: Meine ersten Schritte...

    [QUOTE=Gerri]Claus,
    ich kann tausend Dinge nennen. die diesen Eintrag von den dir genannten unterscheiden.
    So eine Verdrehungstheorie wie hier - erlaube es mir zu sagen -
    ist auch von dir nur schwer zu ertragen.
    Rückst du dir immer alles so zurecht, wie es dir im Kram passt ?
    Oder hast du nur das sehen wollen, was du sehen möchtest ?
    Jeder der beide Einträge vergleicht ,wird unschwer erkennen, wo der Unterschied liegt.
    Kann sich jeder sein Bild machen - vielleicht ist meines ja verzehrt - deines allerdings mit Sicherheit auch.
    Vermutlich hat das ja bei uns mit Voreingenommenheit zu tun - oder daran, das wir lange nicht gestritten haben - denn du streitest ja gern.
    Rudi[/QUOTE]

    Hallo gerri,

    hier misch ich mich mal ein. Du hast in Deinem Beitrag geschildert, was Du Dir bezüglich der Hallen, der Gewinnmöglichkeiten, des Eigentümers, anderer Spieler vor Augen geführt hast. Ich finde da wenig von Dir, von Deinen Defiziten und Motivationen.
    Ich bin ein sehr logischer Mensch, mit einer ausgeprägten Gefühlsebene. Was Du aufgeführt hast war mir alles sehr bewusst und dennoch ging ich spielen. Ich ging am Ende doch nicht mehr um zu gewinnen, nicht wegen des Ambientes, nicht wegen der Gespräche mit der Aufsicht und Kaffee trinke ich eh keinen.
    Ich ging wegen meiner Einsamkeit, um mich wegzudrücken, um abzutauchen, ehrlich gesagt, auch um mich schrittweise zu zerstören, denn für einen entschlossenen Schritt wie Selbstmord oder Selbstverstümmelung war ich zu feige.

    Mein erster wichtiger Schritt war nicht den Rahmen meines Spiels, die Automatismen und Hintergründe zu erkennen. Es war auch nicht zu erkennen, was mir das Spiel nimmt. All das wusste ich auch während meiner "heißen" Zeiten.
    Mein erster Schritt war mich wieder zu entdecken, meine vergrabenen Gefühle wieder zu finden und sie auszuhalten. Ich musste nicht entdecken was mir das Spiel nimmt, sondern was mir das Leben stattdessen geben kann.

    Deinen letzten Satz an Claus fand ich unangemessen und unangebracht. Wir alle sind besser im Kritisieren anderer, als in der Selbstkritik.

    Lieber Gruß

    Dieter

  6. #6
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    Standard AW: Meine ersten Schritte...

    Hallo Dieter,
    es fällt mir immer schwer zu erklären, wie meine ersten Schritte waren...sind so ungefähr deine Worte.
    Das ist auch bei mir der Fall. Trotzdem wagte ich mich an dieses Thema - erklären, was bei mir seinerzeit ablief - wie ich gehandelt und gefühlt habe. Ich habe hier deutlich zu machen versucht wie bei mir einer von vielen Schritten aussah - nämlich der Einstieg vom Ausstieg aus der Spielsucht.
    Die Selbstsuggestion mit der es mir gelang ,etwas von mir seinerzeit als positiv empfundenes , aber in seiner Auswirkung auf mein Dasein äüßerst negatives, ebenso als negativ zu fühlen.
    Das war bei Leibe nicht einfach - und in nachhinein ein entscheidender Schritt für mich. Das umwandeln des positiv Empfundenen ins Negative Fühlen . Wie gesagt - Suggestion der eigenen Person - ein schwerer Vorgang. Ich sprach von Negativieren der bis zu meinen Ausstieg aus dem Spiel empfundenen Positivität - und auch den zwingenden Drang spielen gehen zu wollen.
    So weit noch einmal zu meinen Eintrag.
    Das mir da unterstellt wird, ich würde Automatenspiel anpreisen - zeugt von großer Oberfächlichkeit und Gleichgültigkeit meiner Person und dieses Eintrages gegenüber - oder auch vom Nichtverstehen.
    Wenn ich etwas nicht verstehe habe ich auch nicht die Fähigkeit der Kritikgebung zur Sache - und sollte mich besser zurückhalten. Ich muß davon ausgehen, das Claus nicht verstanden hat, was ich überhaupt erzählen wollte.
    Ich bin ein sehr spontaner und hoch emotioneller Mensch mit vielen Schwächen - und wenn ich mich unschuldig angegriffen fühle, schieße ich auch schon mal übers Ziel hinaus.
    Ich bin zwar fast 6 Jahre trocken - aber wie du ja selbst erzählt, hört es nicht auf, an sich zu arbeiten. Das tue ich auch - und war froh darüber schildern zu können, wie ein wesentlicher Schritt Richtung Abstinenz bei mir aussah.
    Auch vielleicht darum, das der Eine oder Andere damit was anfangen können - und in sich eine Negativierung gegenüber dem Glücksspiel aufbauen können - also gleichbedeutend mit Stärkung des eigenen Willens der Spielsucht zu entkommen.
    Das wollte und habe ich erzählt.
    Ich finde es bedauerlich, das man nun noch nichtmals mehr über seine ureigene "Stützen" auf dem Weg in die eigene Spielfreiheit berichten kann, ohne defamiert zu werden.
    Ja, das treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Es zeigt die Unfähigkeit des akzeptieren könnens des Gegenübers.
    Nun ja - Menschen die sich sehr im Forum arrangieren ,haben ja früher oder später alle ihre Probleme. Ich denke da auch an anderen Foren, in denen ich zwar nie schreibe, jedoch regelmäßig lese.
    Ich denke auch nicht, das ich so was noch lange für mich erdulden kann oder werde.
    Wünsche dir - und allen meinen Freunden einen schönen Abend -
    eine gute Zeit ohne Probleme.
    Lieben Gruss
    Gerri

  7. #7
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    Standard AW: Meine ersten Schritte...

    Hi!

    Es fällt mir immer schwer zu erklären was meine ersten Schritte waren und was meine heutigen Schritte sind. Ich kann erklären, wie ich mit konkreten Situationen umgehe, wie ich mich den Herausforderungen meines Lebens stelle, wie ich versuche meine Gefühle wahrzunehmen und zu leben.
    Es ist eine solch unüberschaubare Vielzahl von Kleinigkeiten, die mein Leben verändert haben und immer weiter verändern, dass es mir unmöglich ist eine Art "Leitfaden" für andere zu erstellen. Das "Nicht-Spielen" betimmt mein Leben nicht, das Leben bestimmt mein Leben. Und ich wurstele mit, so gut wie ich es verstehe. ;-)
    Ich habe keine Angst mehr ins Spiel abzudriften, die Automaten haben ihren Reiz verloren. Dahin zurück, wo ich vor 12, 13 Jahren war, könnte ich heute nicht mehr.
    In den letzten Jahren gab es traumatisch, sehr schwere, schmerzhafte Momente und Phasen. Sie alle haben mich nicht zurück zum Spiel gebracht.
    Meine Angst heute wäre wohl eher, mich kräftemäßig zu verzetteln, mich zu verkriechen, meinen Optimismus, meine Hoffnungen, meine Träume zu verlieren, mich abzufinden und anzupassen.

    Aber, um doch noch zum Thema zurückzukommen, mein erster Schritt war das Eingestehen süchtig zu sein und der Versuch nicht mehr zu spielen. Alles andere war sehr individuelle Arbeit an mir selbst und das lernen/wiederlernen oft ganz banaler Dinge.

    Lieber Gruß

    Dieter

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